Donnerstag, 4. November 2010

Wer braucht einen Morgenmantel?

Scheinbar außer mir nur mehr wenige Damen aber ich brauche einen Morgenmantel.

Gleich nach dem Aufstehen schlüpfe ich in meinen Morgenmantel und mache das Frühstück dann ist der Morgenmantel eigentlich ein Arbeitsmantel und am Abend sitze ich geduscht und im Pyjama und im Morgenmantel am Sofa dann ist er ein Abendmantel. Nicht zu verwechseln mit den schönen Abendmantel aus Samt den ich früher über Ball- und Abendkleider trug.

Was ich hingegen nicht brauche ist ein Negligé denn ich möchte ja souverän dem Briefträger die Türe öffnen wenn er schon um ½ 7 in der Früh ein Paket bringt. Was ich auch nicht brauche ist ein Bademantel, nein, ein Bademantel ist kein Morgenmantel auch wenn mir das viele Verkäuferinnen einreden wollten.

Mehr als ein Jahr bin ich schon auf der Suche nach dem optimalen Modell. Nicht das ich nicht genau wüsste wie das ausschauen soll, waschbar, das ist mir immer wichtig, kuschelig, knielang, Taschen soll er haben und doch ein bisschen peppig ausschauen. Mir ist schon klar wer das Wort peppig verwendet, was ich oft und gerne mache, gibt damit eh schon preis, dass er nicht mehr jung ist. Gut, aber muss ich gleich einen Morgenmantel tragen wie eine alte Frau? Viele der Modelle die so am Markt sind, sind pastellfarben, bodenlang und irgendwie echt bieder und langweilig oder durchsichtig und mit Spitze besetzt.

Also seit letztem Jahr suche ich diese Teil zuerst so nebenbei dann schon gezielter auch im Jänner in London habe ich geschaut. Ich hatte die Vision ein echt englisches Country-Model zu erstehen aber auch in London bin ich nicht fündig geworden. Mein Mann und meine Tochter wurden mit diesem Problem auch schon behelligt Meine Tochter macht dann den Vorschlag: „Kauf dir einen großen Sweater“. Die Idee war nicht so schlecht aber in gleichem Maß wie ein Sweater pro Größe breiter wird, wird er nicht länger und so wird der Sweater sehr breit bis er knielang ist. Also wieder nichts für mich.

Jetzt habe ich mir einen Morgenmantel genäht. Aus Vlies, was ich normalerweise nicht bevorzuge, aber die Erfüllung der Vorgabe kuschelig und waschbar habe ich in Wolle nicht gefunden und auch der Fundus hatte nichts passendes parat.

Schaut am Bild irgendwie breit aus ist es aber nicht. Vorne sind zwei Einschubtaschen und eine Kapuze ähnlich wie bei manchen Sweatern. Das ist jetzt mein "Country-Model" und wenn es sich bewährt nähe ich mir noch einen zweiten Morgenmantel für Wien vielleicht in Nicky.

Zusammenfassend kann ich sagen "Einkaufen ist nicht das was es einmal war" und es wird mir echt schwer gemacht Geld für Bekleidung auszugeben.

Kommentare:

Lucy in the Sky hat gesagt…

Ach, da weiss ich gar nicht, wo ich anfangen soll: Du hast in allen Punkten Recht. Also erstmal die Unterscheidung Bademantel-Morgenmantel, die ja scheinbar keiner mehr kennen will. Ich hatte bisher nur ein paar Bademäntel, und die sind eines der unpraktischsten Kleidungsstücke überhaupt, man kann sie nicht richtig schließen und mit den weiten Ärmeln komme ich überhaupt nicht zurecht, da habe ich schon nasse Ärmel, wenn ich nur versuche einen Tee zu kochen. Also den Bademänteln habe ich ein für alle Mal abgeschworen und ziehe halt schnell eine Strickjacke über den Schlafanzug morgens. Dass es aber nirgends, nicht mal in England ein nicht-biederes und/oder unpraktisches Morgenmantelmodell gibt, finde ich ganz erstaunlich. Ich dachte der britische Landadel nimmt seine erste Tasse Tee im Morgenmantel ein und liest dabei die Times. Z. B. in einem gesteppten Wendemantel aus bunten Libertystoffen (innen ein anderer Stoff als außen). Wäre wahrscheinlich fast unbezahlbar, aber schick und warm. Also wieder mal gut, nähen zu können (und so eine sorgfältige Abstimmung der Karos hättest du bei einem gekauften Mantel - wenn es ihn gäbe - nie bekommen). Die Schwierigkeit des Geldausgebens in Kleidungsdingen kenne ich auch gut und es wird in den letzten Jahren immer schlimmer. Ich frage mich nur, sind das meine gestiegenen Ansprüche, oder gibt es tatsächlich nur immer mehr vom immer gleichen?

viele Grüße, Lucy

suschna hat gesagt…

Also hiermit bin ich die Dritte im Bunde der Morgenmantelbedürftigen, du sprichst mir ebenfalls aus der Seele. In der Fernsehserie "Der Doktor und das liebe Vieh" (engl., spielt in den 30er Jahren) haben die Männer immer sehr schöne Morgenmäntel an, z.B. innen gestepptes Satin und außen Flanell. Mir schwebt so etwas wattiertes langes vor wie die asiatischen Steppjacken, das werde ich mir hoffentlich bald auch selbst machen. Zur Zeit trage ich eine gekaufte Walkjacke, aber die kann ich schon nicht mehr sehen. Glückwunsch, dass du dein Problem nun so schön gelöst hast.

Teresa hat gesagt…

Danke für Eure Kommentare, ich hatte gestern schon ein bißchen Sorge, dass ich alleine mit diesem Problem bin.
@Lucy, Deiner Beschreibung von Bademäntel kann ich nur zustimmen, einfach unpraktisch und meiner Vorstellung von Landadel und ihre Morgenmäntel deckt sich mit meiner. Anscheinend kennt und kauft aber der Landadel in London in anderen Geschäften als ich.

zu Steppstoff: ich hatbe eine schönen BW-Stepp in Vichykaro gesehen mit dem ich auch schon geliebäugelt habe aber ich hatte Sorge das es zu steif wird also nicht richtig kuschelig. Aber vielleicht probiere ich es doch noch nach Euren Kommentaren. :)

@Suschna: Die Fernsehserie kenne ich auch und mit solchen Bildern im Hinterkopf war ich zuversichtlich in London was zu finden aber leider war das nicht so.

Es erstaunt mich grad, wir sind eine satte Mehrheit (Babyboom-Generation) in Europa und lassen uns das gefallen nicht nach unseren Wünschen einkaufen zu können, warum?

Wienermädel + Co hat gesagt…

Ein interessanter Beitrag! Ich besitze Bademäntel, in Frottee und in diesem komischen Waffelmuster. Wenn ich in Wien bin, klappere ich alle einschlägigen Geschäfte ab, aber wirklich fündig bin ich nicht geworden, genau wie du es beschreibst.
Mit deinem neuen Modell kannst du dem Postler ohne nachzudenken öffenen! Wirklich gut gelungen.

LG